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Nach dem Schulabschluss oder Studium war es endlich vorbei. Endlich keine Prüfungen mehr, kein lästiges Lernen und keine feuchten Händen, weil man an die Tafel gerufen wird.
Aber hat das Lernen wirklich ein Ende, wenn man die Schule oder Universität verlassen hat? Natürlich lernen wir alle jeden Tag, mal mehr oder weniger. Das neue Handy oder der Videorecorder müssen irgendwie bedient oder programmiert werden. Jetzt darf man allerdings einen Spickzettel verwenden, genannt Bedienungsanleitung. Wer jedoch die fünfsprachige Version seines "Hand-User-Manuals" mit 380 Seiten nicht ständig mit sich herumschleppen will (dafür ist das Handy aber klein und leicht), der wird wohl doch lieber die wichtigsten Funktionen auswendig lernen.
Und das ist es auch schon wieder, dieses lästige Unwort "Lernen" sogar mit dem ungeliebten Brüderchen "auswendig". Genau das, was wir in der Schule immer so gehasst haben, wenn Gedichte oder das kleine Einmaleins gelernt werden sollten.
Sie merken vielleicht schon, dass diese Art zu Lernen, sich doch von der Variante des Schul-Lernens unterscheidet. Wenn Sie die Telefonnummern Ihrer Freunde und Bekannten im Handy speichern, lernen Sie meist automatisch, wie diese Aufgabe zu lösen ist. Beim ersten und zweiten Mal müssen Sie noch nachlesen, danach erinnern Sie sich von selbst an die nötigen Schritte. Und alles ganz ohne Lehrer und Prüfungsstress.
Auch die Telefonnummer Ihres Partners oder Ihrer Partnerin werden Sie nach einiger Zeit auswendig können, sofern Sie nicht immer den Kurzwahlspeicher Ihres Handys verwenden. Das gleiche gilt für Ihre Kontonummer, die Geheimzahl Ihrer Bankkarte oder den Sendeplatz Ihrer Lieblingssendung im Fernsehen oder Radio.
Der Grund dafür ist einfach: Zunächst einmal haben Sie meist ein Interesse daran, diese Dinge im Gedächtnis zu behalten. Es ist für Sie bequemer oder schneller als jedes Mal nachschlagen zu müssen. Das Gelernte erfüllt für Sie einen Zweck, nämlich die gewünschte Person anrufen, oder Geld am Automaten abheben zu können. Anders als in der Schule, wo Sie die deutschen Bundesländer lernen mussten, weil es in der Prüfung abgefragt wurde.
Wenn Sie jedoch gern und viel reisen, werden Sie die deutschen Bundesländer und deren Hauptstädte vielleicht auch automatisch gelernt haben. Womöglich schon deshalb, weil Sie diese Orte alle schon einmal selbst besucht haben. Auch in diesem Fall ist das Erlernte an einen persönlichen Zweck oder eine eigene Erfahrung geknüpft.
Sie sehen also: Ob ein Lernstoff gerne und automatisch gelernt wird, oder ungern und mühsam, hängt auch vom Zweck ab, für den Sie den Stoff lernen wollen oder müssen.