Eintrag-Details: Edutainment – Lernspiele selbstgemacht

07.01.2006

Edutainment – Lernspiele selbstgemacht

Wenn man sich mit dem Thema Lernen befasst, stößt man irgendwann auch einmal auf den Begriff "Edutainment". Die Online-Enzyklopädie Wikipedia beschreibt diesen Begriff wie folgt:

Edutainment verbindet Unterhaltung mit Lernen. Multimediaprogramme werden zum Spaß und Unterhaltung eingesetzt und über diesen Zugang wird ein beabsichtigter Lernprozess in Gang gesetzt.(Stand: 06.01.2006)

Man kann es also auch mit "spielerisch lernen" umschreiben.

[Mehr:]

Eine weit verbreitete Umsetzung von Edutainment findet sich in Lernspielen wieder, die hauptsächlich für Kinder entwickelt werden. Ein wesentlicher Aspekt ist hier, dass das Lernen als solches in den Hintergrund tritt, während hauptsächlich gespielt wird. Der Lerneffekt tritt also "nebenbei" auf ist aber durchaus gewollt.

Wichtig bei der Auswahl solcher Spiele ist jedoch, dass diese wirklich didaktisch gut aufbereitet sind, so dass neben dem Spiel wirklich etwas gelernt wird. Es genügt nämlich nicht, nur Fakten spielerisch zu vermitteln. Um das Wissen wirklich im Gedächtnis verankern zu können, müssen auch genügend Hintergrundinformationen vermittelt werden.

Man hat festgestellt, dass sich das menschliche Gehirn keine reinen Fakten merken kann. Erst durch die Verbindung mit weiteren Informationen, lassen sich diese Fakten in ein vorhandenes "Wissensnetz" einhängen. Den Effekt kennt man vom Vokabelnlernen, das ja auch sehr mühsam ist, wenn man zu den isolierten Vokabeln keine Geschichte und keinen Kontext zuordnen kann.

Statt "Edutainment" wird häufig auch der Begriff "Infotainment" verwendet. Es wird also das "Edu" für "Education" durch das "Info" für "Information" ersetzt. In der Praxis scheinen die beiden Begriff häufig gleichwertig eingesetzt zu werden, auch wenn sich die Wikipedia hier eher abfällig äußert:

Unter Infotainment (Kunstwort aus dem Englischen: information und entertainment) versteht man die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und von Scheinwissen, das den Anspruch erhebt, Bildungsbestandteil zu sein.(Stand: 06.01.2006)

Hier geht es wohl mehr um Unterhaltung als um Bildung, während das Edutainment mehr den Anspruch tatsächlicher Bildung vermittelt. Wer jedoch im Internet mal nach beiden Begriffen sucht wird feststellen, dass praktisch beide Begriffe als synonym für spielerisches Lernen oder Lernspiele verwendet werden.

Was man beachten sollte

Die Vorteile einer gut gemachten Edutainment Präsentation (Software oder Internetanwendung):

  1. Es werden meist alle Sinneskanäle genutzt, so dass neben Text auch Bilder, Ton und interaktive Elemente zum Einsatz kommen.
  2. Erlerntes Wissen kann meist direkt kontrolliert werden (z.B. durch Quizaufgaben), wobei das sofortige Feedback, ob die Lösung richtig war, für den Lernerfolg sehr wichtig ist.

Trotz der Vorteile, die solche Anwendungen haben, sollte vor Allem auf die Qualität geachtet werden.

  1. Sind die vermittelten Fakten tatsächlich fachlich richtig? Gerade bei billigen Produkten kann es vorkommen, dass hier veraltetes oder gar unrichtiges Wissen vermittelt wird.
  2. Werden genügend Hintergrundinformationen zu den gelernten Fakten geliefert? Nur so kann das Wissen tatsächlich dauerhaft gelernt werden.
  3. Bietet das Produkt genügend Spannung, um tatsächlich Neugier zu wecken? Auch technisch gut gemachte Produkte können langweilig sein, wenn die Inhalte nicht spannend aufbereitet sind.
  4. Lässt sich das Produkt gut bedienen? Ein spannendes Lernspiel nutzt nicht viel, wenn die Bedienung umständlich ist und es deswegen nicht benutzt wird.

Edutainment - do it yourself

Edutainment muss allerdings nicht immer technisch umgesetzt werden. Auch ganz ohne Computer kann sich jeder selbst sein eigenes Edutainment-Programm zusammenstellen. Alles was man dazu braucht, ist ein Spielpartner und etwas Interesse am Spiel.

Jeder Spieler nimmt sich ein Thema vor. Das kann ein Arbeitsbereich aus dem Lehrbuch sein, aber auch Fernseh-Dokumentationen (z.B. Berichte über fremde Länder oder Natur- und Tierfilme) eignen sich für ein solches Spiel.

Der Spieler liest (oder sieht auf Video) das Lernmaterial (oder besser Spielmaterial) und denkt sich dabei Fragen aus, die im Verlauf des Materials beantwortet werden. Aus diesen Fragen wird dann ein kleines Quiz formuliert.

Dieses Quiz gibt man seinem Spielpartner und bittet darum, die Fragen zu beantworten, notfalls zu raten oder sich eine phantasievolle Antwort auszudenken.

Wenn beide diese Aufgabe gelöst haben, vergleicht man die Lösungen miteinander. Das kann recht lustig werden, weil ja der jeweils andere die richtigen Lösungen schon kennt. Dabei sollte natürlich niemand ausgelacht werden, wenn die geratene Antwort falsch ist.

Wenn man dieses Spiel mit mehreren Personen spielt, kann man sogar Preise für die originellste oder lustigste Antwort vergeben. Der Fernsehsender SAT1 hat das sogar zu einer Quizshow gemacht, die inzwischen (im Jahr 2005) sehr erfolgreich im Abendprogramm läuft (Die Show heißt "Genial Daneben" und wird freitags abends auf SAT1 ausgestrahlt).

Ist dann der lustige Teil des Spiels soweit vorbei, sollten die Auflösungen folgen. Wichtig dabei: Nicht nur die reinen Lösungen verraten, sondern auch den ganzen Kontext dazu. Also den betreffenden Textteil vollständig lesen oder den Ausschnitt im Video ansehen, der die Lösung vollständig erklärt. So versteht man schließlich auch, warum diese Lösung richtig ist und muss nicht isolierte Fakten lernen.

Die Anregung zu dieser Spielidee kam mir übrigens durch die Vorträge und Seminare von Frau Vera F. Birkenbihl, die diese Form der Quiz-Erstellung unter dem Namen "Wissens-Quiz-Spiele" bereits in einigen Ihrer Bücher und Vorträge beschrieben hat.

Buchempfehlung


Vera F. Birkenbihl: Intelligente Wissens-Spiele
Permalink 07.01.2006 09:20:35, von Marian eMail , 853 Wörter, 2382 mal angeschaut   German (DE) Kategorien: Lernen
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