Zur Startseite - das Weblog -Seit einiger Zeit beschäftige ich mich ja schon mit Second Life (SL) und dessen Einsatz als mögliche Lernplattform. Im Laufe der Zeit habe ich nun einiges an Erfahrung gesammelt. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Insgesamt kann ich sagen, dass Second Life durchaus für Lehr- und Lernzwecke eingesetzt werden kann. Die hier angebotenen Kurse beziehen sich jedoch meistens immer nur direkt auf Tätigkeiten und Wissenserwerb im SL-Universum. So wird eben Bauen und Skripten gelehrt, oder wie man seinen Avtar verschönern kann. Eine löbliche Ausnahme bildet die VHS-Goslar (http://www.vhs-secondlife.de/) bei der man auch Themen aus dem realen Leben unterrichtet.
Leider gibt es inzwischen auch zunehmend Selbstlern-Angebote, die jedoch lediglich den Charme einer öffentlichen Powerpoint-Präsentation versprühen. Auf die Tafel klicken und es erscheint ein neues Bild mit Text. So was bekomme ich im Internet sonst besser zu sehen. Dagegen sind die live durchgeführten Schulungen schon besser. Nach der Einführung von Voice werden hier auch zunehmend Kurse per Sprache vermittelt. Ein gezieltes Zurückfragen und ein richtiger Dialog sind hier sehr gut möglich.
Advertisement/WerbungSeit einigen Tagen geht jetzt auch ein neuer Hype um: Machinima. Am Wochenende des 11-13 Januar 2008 wurde nämlich der Filmwettbewerb "48hours" zum ersten mal in Second Life ausgetragen. insgesamt 12 Teams konnten sich bewerben für den besten Kurzfilm. Es durfte nur in SL gefilmt werden und die gesamte Produktion musste innerhalb der vorgegebenen 48 Stunden fertig gestellt werden. Nur die Hälfte der Teams hat das rechtzeitig geschafft. Ich selbst war in einem dieser Teams tätig, und wir haben tatsächlich den Preis für die beste Grafik und beste Kameraführung erhalten. Einzelheiten kann man bei http://www.48hourfilm.com/secondlife/ nachschlagen.
Seitdem formieren sich weitere Teams in SL, die mit der Filmproduktion weitermachen wollen. Eines der Teams plant bis März einen abendfüllenden Kinofilm zu produzieren, ich selbst arbeite an einer Fernsehserie im Stil des klassischen "Twilight Zone", die dann im Internet veröffentlicht werden soll.
Das wirft unweigerlich die Frage auf, ob sich SL damit auch als Plattform eignet, Filmemacher auszubilden. Gerade die Kombination zwischen virtueller Welt, der direkten Kommunikation im Team und eines Produktes, dass später im realen Leben (z.B. auf youTube) gezeigt werden kann, macht diese Plattform so attraktiv. Dazu kommt, dass die angehenden Filmemacher nicht mehr teure Sets mit richtigen Kulissen bauen müssen. Alles was man braucht gibt es in SL entweder kostenlos oder gegen einen sehr kleinen Geldbetrag zu kaufen.
Auch Schauspieler müssen nicht aufwändig rekrutiert und ausgebildet werden. Viele Avatare spielen gern freiwillig in einem Film mit, und alle Bewegungen lassen sich dem Avatar über vorgefertigte Animationen aufzwingen, man muss sich also nicht mal selbst geschickt bewegen können. Darüber hinaus bietet diese Art der Filmerstellung ganz neue Herausforderungen. So müssen spezielle Animations-Ersteller diese Animationen in einer Software erstellen. Auch die Oberflächen für die Kulissen müssen, sofern es nichts fertiges gibt, in einem Grafikprogramm erstellt werden. Alles weitere ist ganz ähnlich wie die normale Filmproduktion: Man braucht Sprecher, einen Regiseur, Maskenbildner und jemand der den Film am Ende schneidet.
Advertisement/WerbungAls vorläufiges Fazit kann ich sagen: SL ist als Lernplattform zwar nur bedingt geeignet, allerdings bietet die virtuelle Welt gerade im Bereich 3D Erfahrung und eben auch 3D Filmproduktion einige sehr attraktive Möglichkeiten. Die Tatsache, dass man aufgrund der Nutzungsbedingungen keine Rechte des Betreibers verletzt (der Betreiber Linden Lab stellt praktisch nur die Infrastruktur zur Verfügung), macht auch das Clearing extrem einfach. Natürlich muss man auch hier, für Schauplätze und Gegenstände die man nicht selbst angefertigt hat, eine Erlaubnis des Urhebers einholen. Die erhält man jedoch in der Regel problemlos, wenn alle Beteiligten im Abspann des Filmes genannt werden.