Eintrag-Details: Klassische Lerntechniken: Die Lernkartei

10.04.2006

Klassische Lerntechniken: Die Lernkartei

Erste Erfolge

Der große Vorteil, den Sebastian Leitner mit dieser Kartei-Methode verbindet ist offensichtlich. Eine Karte (also eine Vokabel, Formel oder Telefonnummer), die Sie schon gelernt haben, taucht zunächst nicht wieder auf, weil Sie ja gleich im zweiten Fach landet. Solange Sie nur die unbekannten und noch-nicht-gelernten Karten im ersten Fach bearbeiten, werden Sie nicht mehr mit Fragen gelangweilt, deren Antworten Sie sowieso schon kennen.

Wenn Sie so eine Weile gearbeitet haben, wird sich das zweite Fach irgendwann füllen, so dass hier keine weiteren Karten mehr hinein passen. Nun wird es Zeit, auch dieses Fach zu bearbeiten. Nehmen Sie auch hier wieder die erste Karte aus dem zweiten Fach.

Wenn Sie hier nun die Antwort auf Anhieb wissen, können Sie ziemlich sicher sein, dass Sie diesen Stoff schon ganz gut gelernt haben. Diese Karte kommt dann wieder ein Fach weiter, also ins dritte Fach nach hinten.

Wenn Sie die Antwort nicht wissen oder nicht korrekt beantworten können, wandert die Karte wieder ins erste Fach nach hinten. Damit wird diese "vergessene" Karte wieder neu gelernt. Und das ist auch das ganze Geheimnis der Lernkartei. Karten, die Sie immer gleich beantworten können, wandern ins nächste Fach, weil hier nichts mehr zu lernen ist. Sie wissen ja die Antwort bereits. Die Karte wird jeweils nach längerer Zeit noch mal wiederholt, um sicher zu sein, dass Sie es nicht inzwischen vergessen haben. Die Abstände werden dabei immer länger, weil die Fächer nach hinten immer größer werden.

Karten, die Sie inzwischen vergessen haben, wandern immer gleich ins erste Fach. Diese Karten ist dann noch nicht so gut gelernt worden, dass Sie auch nach längerer Zeit noch im Gedächtnis präsent ist. Daher müssen solche Karten immer ohne Umwege in das erste Fach wandern, weil hier der Lernvorgang wieder von vorn anfängt. Das gilt auch für Karten, die eigentlich schon im dritten oder vierten Fach gelandet waren.

Das Prinzip

Das Wirkprinzip der Lernkartei ist genauso einfach wie genial. Eine gelernte Karte wird in immer größeren Abständen wiederholt. Durch die Wiederholung wird nicht nur sichergestellt, dass man den Stoff tatsächlich mal gelernt hat. Die Wiederholung beugt auch dem Vergessen vor.

Das Gehirn neigt dazu, Fakten zu vergessen wenn Sie längere Zeit nicht mehr benutzt wurden. Das ist ähnlich wie bei Muskeln, die lange nicht trainiert wurden. Durch regelmäßiges Training der betreffenden Muskeln wird dieser Muskelschwund vermieden. Deswegen müssen Astronauten im Weltall ständig trainieren, damit Sie sich nach einer Rückkehr zur Erde in der normalen Schwerkraft überhaupt noch aus eigener Kraft bewegen können. Andernfalls würden sich alle Muskeln durch die Schwerelosigkeit zurückbilden.

Die größer werdenden Abstände bei den Wiederholungen haben zwei Vorteile: Zum einen entspricht das genau dem Verhalten des Gehirns. Je öfter ein gelerntes Wissen wiederholt wird, desto länger dauert es, bis es vom Gehirn wieder vergessen wird.

Zum anderen beugen die längeren Wiederhol-Abstände der Langeweile vor. Nichts ist schlimmer, als ständig den gleichen Stoff wiederzukäuen, den man sowieso schon gelernt hat.

Deswegen macht das Vokabelnlernen mit dem typischen Vokabelheft meist keinen Spaß, weil man ständig Vokabeln vor Augen hat, die man sowieso schon gelernt hat. Die wenigen Vokabeln, die man noch nicht kann, stören dabei nur. Und weil man sowieso schon fast alles kennt, wird es eben langweilig.

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Permalink 10.04.2006 16:19:59, von Marian Email , 1780 Wörter, 22182 mal angeschaut   German (DE) Kategorien: Lernen

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